Arbeiten im Verlag – ein kleiner Bericht vom Podiumsgespräch

Vor zwei Wochen war ich bei dem Podiumsgespräch Arbeiten im Verlag vom Career Service der Uni Leipzig. Hier folgt nun ein kleiner längerer Bericht der Veranstaltung, die ich insgesamt sehr spannend, wenn auch ein wenig deprimierend fand. Da der Bericht so lang geworden ist, hat es eine Weile gedauert bis ich ihn fertig und korrekturgelesen hatte.

So, jetzt geht’s aber los:

Eine Vertreterin des Career Service führte durch das Gespräch. Gäste waren Gerlind Böhme (Verlagsassestentin, St. Benno Verlag), Dr. Björn Opfer-Klinger (Schulbuchredakteur, Ernst Klett Verlag), Christoph Beyer (Business Affairs Manager, Edition Peters Group Leipzig) und Kirsten Witte-Hofmann (Programmleitung Edition Leipzig, Verlagsgruppe Seeman Henschel). Außerdem waren sehr viele interessierte Zuhörer dort. Das Publikum war durchmischt, etwa die Hälfte waren Geisteswissenschaftler*innen, es waren proportional mehr Frauen anwesend (was nicht überrascht, ist die Buchbranche doch sehr weiblich).

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Praktika und Volontariate

Ein oder mehrere Praktika absolviert zu haben ist auf jeden Fall ein Plus. Es ist aber nicht zwingend notwendig ein Praktikum in genau dem Verlag gehabt zu haben, in dem man gerne arbeiten würde. Wichtig sei es, die eigenen Stärken zu kennen, ob diese nun dank Studiums, Vorerfahrungen oder beruflicher Praxis vorhanden seien, sei zweitrangig. Generell hilft einem ein Praktikum vor allem, um bei mehreren Bewerbern mit gleicher Eignung zu punkten. Zwingend sei ein Praktikum aber nicht, da man in einem guten Volontariat alle Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt bekomme, die man für den Beruf benötige. Geistes- und Sozialwissenschaftler stehen generell in dem Ruf, sich komplexe Themengebiete selbständig und schnell erarbeiten zu können. Es gibt  jedoch auch Verlage, die Wert darauf legen, dass man bestimmte Praktika oder sogar ein Praktikum bei dem entsprechenden Verlag selbst absolviert hat. Wichtig sei es, im Hinterkopf zu behalten, dass ein Studium eine grundständige Ausbildung sei, so Böhme, ein Volo daher nicht zwingend zur Einarbeitung nötig. Besonders da dieses Anlernen sehr schlecht bezahlt würde.


Passt der Verlag zu mir – und andersrum?

Natürlich muss der Verlag zu mir als zukünftigem Praktikant, Volontär oder Mitarbeiter passen. Bewerbe ich mich in einem christlichen Verlag, sollte ich zumindest ein Grundinteresse an Religion haben. Will ich zu einem Musikverlag, ist es hilfreich, wenn ich Noten zumindest lesen kann. Man sollte sich auch in der jeweiligen Branche ein wenig auskennen. Habe ich zwei linke Hände und noch nie ein Interesse an Do it Yourself gehabt, muss ich vielleicht nicht unbedingt Do it Youself-Ratgeber gestalten. Es hindert mich allerdings auch nichts daran! Klar, eine gewisse Affinität zum Produkt (das heißt konkret zu dem vom Verlag konzipierten Buch) sollte vorhanden sein. Branchenkenntnisse oder weitere Fertigkeiten kann man sich jedoch auch anlernen. Oft ist es gerade so, dass man weitere Kenntnisse im Volo erlernt, beispielsweise ein Grundverständnis für Rechtliches (Impressum, Bildrechte, Meinungsfreiheit usw.). Seid ihr der Meinung ein Verlag passt zu euch und ihr zu ihm, dann nehmt Kontakt auf. Was außer einer Absage könnte euch passieren?


Wo arbeiten im Verlag? 

Ein Verlag besteht nicht nur aus dem Lektorat, auch wenn dort viele hinwollen. Ich selbst hatte bereits ein Lektoratspraktikum und möchte eher keine Lektorin werden. Es gibt ja aber auch noch andere Möglichkeiten, im Verlag zu arbeiten! In der Öffentlichkeitsarbeit oder im Vertrieb zum Beispiel arbeitet man mit dem fertigen Produkt. Dieses will man ja ‚unter die Leute bringen‘, bekannter machen. Ebenso haben größere Verlage Rechtsabteilungen, die sich mit Lizenzen, aber auch mit Bildrechten, Auszügen oder Weitervermarktung beschäftigen.


Das liebe Geld

„Man sollte nicht davon ausgehen, dass man in der Verlagsbranche reich wird“

Kirsten Witte-Hofmann

Leider, leider ist da viel Wahres dran. Praktika sind in der Regel unbezahlt oder werden mit einer kleinen Aufwandsentschädigung entlohnt. Macht man jedoch ein Praktikum in einer anderen Stadt und muss sich dort ein Zimmer nehmen, reicht dieses kaum für die Miete (extrem ist dies in Städten wie Frankfurt oder München). Volontariate werden zwar vergütet, jedoch auch zu einem extrem kleinen Preis, bedenkt man, dass ihr ja bereits ein Studium absolviert habt.

Die Jungen Verlagsmenschen haben dazu vor kurzem eine kleine Umfrage unter ihren Mitgliedern gemacht (also unter jenen, die bereits gut vernetzt sind, der Durchschnitt liegt also vermutlich darunter): Laut ihnen werden Praktika selten bezahlt, wenn dann erst ab 2 Monaten Praktikumszeit. Hier ist es jedoch wichtig im Hinterkopf zu behalten, dass mehr als 3 Monate unbezahltes Praktikum zum einen schlicht Ausbeutung sind, zum anderen der Lerneffekt meist nach den 3 Monaten auch nicht mehr so groß ist. Tut euch das um Himmels Willen nicht an!

„Wer nicht fragt, kriegt nichts. Denn der scheint ja zufrieden. Der kriegt nicht mehr Gehalt, der kriegt keine neue Stelle im Haus, der kriegt keine interne Weiterbildung.“

Björn Opfer-Klinger

Habt immer im Hinterkopf, dass wahnsinnig viele eine Verlagsstelle bekommen wollen, weitaus mehr, als es Stellen zu besetzen gibt. Informiert euch vorher über eine angemessene Gehaltsvorstellungen und kennt eure eigenen Stärken – streicht diese heraus!

Welcher Abschluss nötig ist, hängt übrigens ein bisschen davon ab, um welches Fachgebiet es geht. Ist es für den Verlag  oder den Kunden wichtig, handelt es sich um spezielle Fachliteratur, kann auch ein Doktor hilfreich sein. Dies ist jedoch keine pauschale Empfehlung, ihr solltet ebenfalls vermeiden, überqualifiziert zu werden. Studierende mit Lehramtsabschluss haben dabei tendenziell gute Chancen im Bereich Schulbuch, da viele Lehramtler als angehende Lehrer verbeamtet werden und sich damit nicht mehr auf Verlagsstellen im Schulbuchbereich bewerben (vor allem wenige mit Lehrerfahrung).


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Vernetzung

Vernetzung ist in der Branche sehr wichtig. Es ist immer hilfreich, Leute zu kennen. Die einen auf Jobs oder Praktikaplätze aufmerksam machen. Die auf interessante Veranstaltungen hinweisen oder einfach nur Tipps oder Anstöße geben, über bestimmte Brancheninterna nachzudenken. Eine kleine Auswahl hab ich euch hier zusammengefasst. Wenn euch noch etwas fehlt, schreibt mir gerne, ich ergänze das dann!

Junge Verlagsmenschen, Städtegruppe Leipzig

Hörspielsommer

Börsenverein des deutschen Buchhandels (viele spannende Infos, Jobbörse, Newsletter ebenfalls mit aktuellen Jobangeboten)

Gewerkschaften gibt es in der Buchbranche kaum, da die Branche im Prinzip den Buchhandel, die Medien und die Verlage umfassen. Zudem haben Buchgestalter, -setzer usw. auch andere gewerkschaftliche Interessen. So ist ein Tarifvertrag für die Branche nur schwierig umsetzbar. Betriebsräte haben die kleineren Verlage in Leipzig aufgrund ihrer Größe selten, da diese einfach zu wenige Mitarbeiter umfassen.


Welche Kompetenzen bringen wir Junge mit in die Branche?

Digitale Produkte sind für die Branche im Kommen. Da verfügen wir Junge oft über grundlegendere Verständnisse. Wir bringen Medienkompetenz mit uns und haben ein größeres Verständnis für die Möglichkeiten des Digitalen. Was ist in diesem Bereich möglich, und was nicht? In den kommenden Jahren werden vermutlich Marken wichtiger werden. Service und Merchandising spielen natürlich auch eine Rolle, aber wenn die Verlagsmarke nicht zieht, helfen diese Zweige der Branche langfristig nicht.


Soweit mein Eindruck der Gespräche. Ich habe mich bemüht, alle wichtigen Punkte zusammenzufassen! Sollte euch etwas fehlen oder ihr noch eine Frage haben, schreibt mich gerne an!

VG Jennifer

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3 Gedanken zu “Arbeiten im Verlag – ein kleiner Bericht vom Podiumsgespräch

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