„Kopf aus, Herz an“ von Jo Watson

Hör auf dein Herz und tanz unter den Sternen!

Chick Lit vom Feinsten

Thailand. Nachdem Lilly auf ihrer Hochzeit von ihrem Bräutigam versetzt wurde, reißt sie sich zusammen und fliegt eben alleine in die Flitterwochen. Was soll da schon schiefgehen? Und dass sie bereits im Flugzeug dem attraktiven, tatöwierten Damien begegnet – was schadet es schon? Sie ist ja quasi frisch getrennt, da kann man sich doch mal Hals über Kopf verlieben?

Kopf aus, Herz an versprach bereits im Klappentext eine unterhaltsame und leichte Lektüre zu werden. Besonders durch die Wörter ‚Sand‘, ‚Flitterwochen‘ und ‚Reise‘ wurden bei mir die sommerlichen Erwartungen geweckt. Leider wurden sie dann nur teilweise bedient. Aber der Reihe nach: Das Buch habe ich bei LovelyBooks in einer Leserunde gewonnen. Die Freude war groß und das Buch schnell im Briefkasten. Über die Leserunde selbst werde ich noch einmal einen eigenen Beitrag schreiben.

Und dann ging es los: Zuerst einmal muss man sagen, dass das Buch wirklich unterhaltsam war. Gut, ich bin nicht vom Lachen vom Sofa gefallen, aber viele Stellen waren amüsant geschildert und Kreativität kann man der Autorin nicht absprechen:

Sein Grinsen wurde noch breiter, und mit einem Funkeln in den schwarzen Augen schaute er auf meine Füße. Ich folgte seinem Blick und gewahrte zwei Augenpaare, die mich froschäugig anglotzten. Diese hingen an zwei pinkfarbenen, flauschigen Häschen mit süßen pinken Näschen und großen Schlappohren.

Ich habe meine Hausschuhe an!

Ich spürte, wie ich vor Beschämung krebsrot anlief. Mein Blick wanderte von meinen Pantoffeln zu meiner Hose und dann weiter zum Oberteil. Und da wurde mir klar, dass ich nicht nur mine Hausschuhe trug…

Sondern auch noch meinen Schlafanzug!

Kopf an, Herz aus, Seite 27

Allerdings liegt genau in der Kreativität auch einer meiner Kritikpunkte. Doch dazu später mehr. Damien, die zweite Hälfte in diesem Liebesgespann, ist dagegen richtig, richtig sympatisch gelungen. Einfühlsam und süß, Lillys Verrücktheiten ignorieren und sie wieder auf den Boden zurückholend. Einzig seine verletzliche Seite war ein wenig zu stark ausgeprägt, das bleibt bei ihm aber auch der einzige negative Punkt. Der Rest war einfach nur schnuckelig und zum gern haben.

Jo Watson - Kopf aus, Herz an
Jo Watson – Kopf aus, Herz an

Lilly, von Damien unterstützt, meistert ihre persönlichen (und zum Teil auch recht kindischen) Krisen und lässt sich von Damien zu einer Reise entführen. Leider geht diese auf die nächste Party, ich hätte es spannender gefunden, wenn sie sich auf die thailändische Kultur einlässt. Nichtsdestotrotz entwickelt sich die Geschichte rasant, vieles ist unvorhersehbar und witzig geschildert. Das Ende macht denn auch einen Schlenker, den ich persönlich sehr gut fand, da Lilly durch die zeitliche Distanz die Möglichkeit bekommt, erwachsen zu werden.

Ein riesiger Pluspunkt war für mich das Cover, das wirklich sehr schön gestaltet ist. Zudem fasst es sich ein wenig rauer an, nicht so hochglänzig wie viele andere Bücher, wenn ihr wisst, was ich meine. Das fand ich insgesamt sehr interessant und so lag das Buch wirklich sehr angenehm in der Hand.


Wenn der Puls vor Ärger steigt *enthält Spoiler*

Das Buch ist auf der Website von LYX einsortiert als Frauenroman, empfohlen ab 16 Jahren. Gut, das sind jetzt für mich zwei verschiedene Gruppen, Frauen und Mädchen ab 16 Jahren, aber bitte. Zutreffender finde ich jedoch Mädchen ab 16 Jahren.

Viele der Szenen wirkten einfach arg konstruiert. Im Schlafanzug das Haus zu verlassen mag vielen jungen Mädchen als der schlimmste Alptraum erscheinen. In Schlafanzug mit neckischem Spruch, zerlaufendem Make-Up und Hauspuschen im Flugzeug sitzen halte ich aber einfach für zu unrealistisch. Das merkt man einfach nicht, nachdem man bereits im Flieger sitzt. Dies ist nur die erste von vielen schon arg konstruierten Szenen. Eine weitere ist die, in der Lilly sich versehentlich ihr Kleid an einer Kerze anzündet. Romatisches Dinner gelaufen, Kleid ausklopfen, möchte man meinen. Aber nein. Die Bänder mit denen das Kleid verschnürt sind, brennen einfach zu gut und daher schlägt Damien vor, dass Kleid zu ihrer eigenen Sicherheit auszuziehen. Und Lillys Reaktion ist denn auch die einer 13-Jährigen: „Kleid ausziehen vor einem Jungen? Niemals!“. Dabei wird Lilly als 24-Jährige eingeführt, die als Buchhalterin arbeitet und kurz vor ihrer Hochzeit steht. Natürlich ist eine Verlobung noch lange keine Garantie für Reife – Berufserfahrung dagegen sollte einen Menschen jedoch schon ein wenig in seiner Entwicklung beeinflussen. (Oder bin ich da naiv?)

Lilly wirkt als Charakter einfach so unerwachsen, dass es schon schmerzhaft ist. Aber nicht nur sind ihre Reaktionen eher die eines verschreckten Kaninchens, auch ihre Vorurteile lassen sich sehen. Dunkelhaarig, grübelnder Blick, tätowiert? Das kann ja nur ein Drogendealer sein. Ich weiß nicht, ob die afrikanische Gesellschaft so unreflektiert ist (was ich nicht hoffe) oder Lilly erfolgreich in einer Blase großgeworden ist. Aber sie ist manchmal wirklich einfach sehr oberflächlich und bedient die übelsten Vorurteile. Das finde ich für eine 24-jährige Frau, die gerade im Begriff gewsen ist zu heiraten, einfach nicht passend. Wäre sie 17 Jahre alt gewesen, hätte mich ein solches Verhalten nicht überrascht – aber so?

Gut, könnte man argumentieren, da bleibt viel Raum für Figurenentwicklung. Die findet aber tatsächlich erst auf den letzten 50 Seiten statt – und das ist mir einfach zu spät. Gerade für einen Roman, der sich an junge Menschen richtet. Lillys Entwicklung wird anhand einer Zusammenfassung eines Jahres aufgezeigt, sie selbst reflektiert, dass sie nun erwachsener geworden sei. Nun kann sie sich Damien zurückerobern gehen. Ihre zweite Reise nach Thailand startet. Und bereits bei ihrem ersten Wiedersehen mit Damien – rastet sie wieder total aus, verfällt in ein kindisches Muster und wird von ihren Vorurteilen eingeholt. Sehr erwachsen. Ich sehe da leider keinerlei Entwicklung – und die hat mir stark gefehlt.

*Spoiler Ende *


Abschließend

Puh, ich bin wohl in letzter Zeit ziemlich kritisch geworden. Vielleicht verändert auch das Studium einfach meinen Blick auf Literatur. Insgesamt lässt mich der Roman ein wenig gespalten zurück. Vielleicht liegt es daran, dass ich einen Liebesroman (für erwachsene Frauen) erwartet hatte und mir erst beim Lesen klar wurde, dass ich mich in die ChickLit verirrt hatte. Die ist zugegebenermaßen einfach nicht mein bevorzugtes Genre. Dennoch waren viele Dinge humorvoll beschrieben und wirklich – abschalten kann man bei diesem Roman fantastisch. Wobei mein Puls sich allzu oft vor Ärger über Lilly erhöhte. Damien, der männliche Protagonist, hat das Buch jedoch eindeutig aufgewertet! Ich werde das Buch jetzt meiner jüngeren Schwester mitbringen, die sich sicher hoffentlich mehr darüber freuen und Damien bestimmt genauso süß finden wird wie ich 😉


Hier gehts zum Buch

Kopf aus, Herz an von Jo Watson

LYX

314 Seiten, 10 Euro

978-3-7363-0421-5

Vielen Dank an LovelyBooks und LYX für das Exemplar!
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3 Gedanken zu “„Kopf aus, Herz an“ von Jo Watson

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